Update · GKV-Spargesetz beschlossen · gilt ab 1. Januar 2027

Die niedergelassenen Ärzte
versorgen 97 % aller Patienten.
Und genau hier wird jetzt gekürzt.

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind das Rückgrat unserer Versorgung. Mit nur 20 von 100 Euro versorgen sie fast alle Patienten in Deutschland – eigenfinanziert, ohne einen Cent Staatsgeld, effizienter als jedes Krankenhaus. Seit dem 30. Juli 2026 ist es Gesetz: Ausgerechnet hier wird gekürzt. Was das für Sie als Patient bedeutet – und warum es nicht sein müsste – zeigt diese Seite.

aller Patientenfälle
97 %
versorgen die Niedergelassenen
von 100 € GKV
20 €
bekommen sie dafür
effizienter
8,6×
mehr Fälle je Mrd. € als die Klinik
Quellen: Destatis · KBV · BÄK · Zi · WIdO · Eurostat · WIP-PKV · Stand September 2026
⚠️
Vorab · Die Reform ist beschlossen
Als diese Seite entstand, war das Spargesetz noch ein Entwurf. Am 10. Juli 2026 haben Bundestag und Bundesrat das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen – mit 319 zu 286 Stimmen. Seit dem 30. Juli ist es in Kraft, die meisten Kürzungen greifen zum 1. Januar 2027. Was unten als Warnung stand, ist jetzt Gesetz. Dieses Kapitel sagt Ihnen, was sich dadurch für Sie in unserer Praxis ändern wird – und warum.
Kapitel 0 · Was wir ab 2027 ändern müssen – und was die Reform dafür streicht

Ab Januar 2027 wird Ihre Behandlung nach Kassenlage bezahlt. Nicht nach Bedarf. Das zwingt uns zu Schritten, die wir nicht wollen.

Wir schreiben das hier offen hin, weil Sie als Patientin oder Patient ein Recht darauf haben, es vorher zu wissen. Und weil ein Punkt in der öffentlichen Debatte fast immer fehlt:

15–25 %
Schon heute · vor der Reform
der Leistungen, die wir für gesetzlich Versicherte erbringen, werden bereits jetzt nicht vergütet. Das Budget ist seit Jahren gedeckelt – jede Untersuchung oberhalb der Mengengrenze macht die Praxis umsonst: Personal, Geräte, Zeit, alles bezahlt, nur das Honorar fehlt. Bisher haben die Praxen das ausgeglichen: durch längere Arbeitszeiten, durch die extrabudgetären TSVG-Fälle und durch Privatpatienten. Genau diese Ausgleichsmöglichkeiten streicht das Gesetz jetzt – und kürzt obendrauf.
Mehr unbezahlte Arbeit geht nicht. Deshalb bleibt nur: weniger Leistung.
25 h
Zur Einordnung: Ein voller Kassensitz verpflichtet zu 25 Sprechstunden pro Woche für gesetzlich Versicherte. Das ist der Umfang, für den das Budget gedacht ist. Wir liegen mit unseren Sprechzeiten deutlich darüber – und ein erheblicher Teil dieser zusätzlichen Stunden wird wegen der Deckelung nicht bezahlt. Wenn wir ab 2027 die GKV-Termine reduzieren, kürzen wir also nicht unter das Pflichtmaß, sondern das, was wir bisher freiwillig und unbezahlt obendrauf gelegt haben.

Das Gesetz spart dort, wo 97 % aller Patienten versorgt werden: in den Praxen. Allein 2027 fehlen im ambulanten Bereich rund 3 Milliarden Euro, ab 2030 etwa 5 Milliarden – jedes Jahr. Nach Berechnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung werden damit 46 Millionen Behandlungsfälle zusätzlich nicht mehr bezahlt. Diese Fälle verschwinden nicht. Es sind Sie, Ihre Eltern, Ihre Kinder.

Weniger für die Praxen 2027
−3 Mrd. €
ab 2030: rund 5 Mrd. € jährlich · KBV
Behandlungsfälle ohne Finanzierung
46 Mio.
pro Jahr – zusätzlich zu den 15–25 %, die Praxen schon heute unbezahlt erbringen
Honorarverlust je Facharztpraxis
−30.000 €
allein durch Wegfall der Terminvergütung (TSVG) · je Hausarzt −2.400 € plus weitere Streichungen
Honorarminus je Fachgruppe
7–13 %
gegenüber der Entwicklung ohne Gesetz · vorläufige KBV-Schätzung
Konkret · Fünf Schritte, die wir voraussichtlich gehen müssen

Was wir tun müssen – was das Gesetz dafür streicht – und was das für Sie heißt.

1
Weniger Termine für gesetzlich Versicherte
Die Zahl der GKV-Termine wird auf das reduziert, was das gedeckelte Budget tatsächlich bezahlt. Was darüber hinausgeht, können wir nicht mehr kostenlos leisten.
✗ Das Gesetz streicht
Die Extrabudgetierung. Obergrenze künftig „Grundlohnrate minus 1 %“ – weniger als Löhne und Inflation, bei jährlich mehr und älteren Patienten. Jeder Fall darüber: Abschlag oder nichts.
→ Für Sie heißt das
Längere Wartezeiten. Die 42 Tage von heute waren der Stand mit Anreizen – und mit Sprechzeiten weit über den 25 Pflichtstunden eines Kassensitzes. Am Quartalsende ist das Budget leer: „Kommen Sie nächstes Quartal wieder.“
2
Dringende Termine nur noch in seltenen Fällen
Die schnelle Vermittlung über den Hausarzt, die wir bisher innerhalb weniger Tage möglich gemacht haben, können wir so nicht aufrechterhalten. Kurzfristige Termine bleiben Ausnahmen für klar akute Situationen. Bei Brustschmerz oder Atemnot gilt weiterhin: 112.
✗ Das Gesetz streicht
Sämtliche TSVG-Zuschläge: Hausarzt-Vermittlungsfall, 116117-Termine, Neupatienten, offene Sprechstunde. 1,64 Mrd. € pro Jahr, davon 1,52 Mrd. € bei den Fachärzten – rund 30.000 € je Praxis.
→ Für Sie heißt das
Der Weg, der gesetzlich Versicherte so schnell drankommen ließ wie Privatpatienten, endet. Wer akut krank ist, landet in der Notaufnahme – dort, wo jeder Fall ein Vielfaches kostet.
3
GKV-Termine nur mit Überweisung und klarer Indikation
Ein Termin bei uns setzt künftig eine Überweisung des Hausarztes mit konkreter medizinischer Fragestellung voraus. „Einmal alles durchchecken“ oder Vorsorge auf Wunsch können wir für gesetzlich Versicherte nicht mehr anbieten.
✗ Das Gesetz streicht
Die extrabudgetäre Vergütung für Früherkennungsuntersuchungen. Vorsorge zählt ab 2027 ins gedeckelte Budget – und konkurriert dort mit der Behandlung Kranker.
→ Für Sie heißt das
Das begrenzte Budget muss dorthin, wo ein Herzproblem wahrscheinlich ist. Wer „nur mal schauen lassen“ will, geht leer aus – oder zahlt selbst.
4
Längere Nachsorge-Intervalle bei bestehenden Herzerkrankungen
Kontrollen bei stabiler koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche, Klappenerkrankungen oder nach Eingriffen finden seltener statt als bisher – im Rahmen dessen, was medizinisch vertretbar ist, aber nicht mehr so engmaschig, wie wir es für richtig halten.
✗ Das Gesetz streicht
Nichts Einzelnes – das ist die Summe: Jede Kontrolle, jeder Herzultraschall zählt ins Budget, das real jedes Jahr schrumpft. Weniger Geld heißt weniger Kontrollen.
→ Für Sie heißt das
Was die KV Bremen stille, verdeckte Rationierung nennt, betrifft ausgerechnet die chronisch Kranken. Verschlechterungen werden später erkannt.
5
Trennung der Praxis in zwei Bereiche
Wir bereiten eine Aufteilung vor: ein Praxisteil für gesetzlich Versicherte mit reduziertem Leistungsangebot im Rahmen des Budgets – und ein Bereich für Privatversicherte und Selbstzahler, in dem das volle Spektrum weiterhin möglich ist.
GKV-Bereich
Termine nur mit Überweisung · begrenzte Terminzahl · längere Kontrollintervalle · dringende Termine nur ausnahmsweise · keine Wunsch-Vorsorge
Privat & Selbstzahler
zeitnahe Termine · volles diagnostisches Spektrum · Vorsorge und Check-ups · engmaschige Nachsorge · Zweitmeinung
✗ Das Gesetz streicht
Alle Wege, unbezahlte Arbeit auszugleichen: TSVG-Fälle, offene Sprechstunde, extrabudgetäre Vorsorge und OPs, ePA-Pauschale, Hygienezuschläge. Dazu mehr Prüfung und Regressrisiko. Kein Praxiszukunftsgesetz, kein Investitionsprogramm – das gibt es nur für Kliniken (50 Mrd. €).
→ Für Sie heißt das
Der einzige Weg, das volle Angebot vorzuhalten und Mitarbeiter und Geräte zu bezahlen, führt über Leistungen außerhalb des GKV-Budgets. Zwei-Klassen-Medizin ist nicht die Entscheidung der Praxen. Sie ist die Konsequenz dieses Gesetzes.
Wichtig: Das sind keine Drohungen und keine Wunschliste – es ist die Betriebswirtschaft, die dieses Gesetz uns aufzwingt. Wer schon 15–25 % seiner Arbeit verschenkt, kann nicht noch mehr verschenken. Alle Schritte gelten voraussichtlich ab dem 1. Januar 2027; der genaue Umfang hängt von den Honorarverhandlungen im Herbst 2026 ab. Wir informieren Sie rechtzeitig. Und wir würden jeden einzelnen dieser Punkte sofort zurücknehmen, wenn die Politik die Deckelung zurücknimmt.
Und das trifft Sie zusätzlich – unabhängig von unserer Praxis
Sie zahlen trotzdem mehr
Rezeptzuzahlung steigt von 5–10 € auf 7,50–15 €. Hautkrebs-Screening nur noch für Risikogruppen. Ab 2028 Zweitmeinungspflicht vor bestimmten OPs und 2,5 % Zusatzbeitrag für mitversicherte Partner. Rund 3,8 Mrd. € des Sparpakets tragen direkt die Versicherten.
🏥
Die Kliniken sollen es auffangen – und werden gleichzeitig gekürzt
Die Krankenhausreform will Leistungen in den ambulanten Bereich verlagern. Das Spargesetz schwächt genau diesen Bereich. Beide Reformen widersprechen sich – bezahlen werden das die Patienten.
Ihre Praxis findet keinen Nachfolger
Schon heute fehlen 5.000 Hausärzte, nur 13 % der Absolventen wollen sich niederlassen. Wer übernimmt eine Praxis, der man gerade 30.000 € pro Jahr gestrichen hat? Die Antwort steht in Kapitel 2.
46 Mio.
Behandlungsfälle, die den Praxen ab 2027 zusätzlich nicht mehr bezahlt werden. Zum Vergleich: Alle 1.841 Krankenhäuser Deutschlands zusammen behandeln 17,5 Mio. stationäre Fälle und 13 Mio. ambulante Notfälle im Jahr – zusammen rund 30 Mio. Bei den Niedergelassenen fallen also mehr Fälle aus der Finanzierung, als der gesamte Klinikbetrieb – Stationen und Notaufnahmen – überhaupt versorgt. Das Zweieinhalbfache aller stationären Fälle, das Anderthalbfache aller Klinikfälle insgesamt. Niemand hat beschlossen, dass diese Patienten nicht mehr krank sind – nur, dass ihre Behandlung nicht mehr bezahlt wird. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht von einem bitteren Tag für Patienten.
Anmerkung: Ein Praxisfall (ein Patient je Quartal), ein stationärer Klinikfall (ein Aufenthalt) und ein ambulanter Notfall sind nicht dasselbe – ein stationärer Fall ist im Schnitt deutlich aufwendiger und teurer. Der Vergleich zeigt deshalb keine Gleichwertigkeit, sondern die schiere Größenordnung dessen, was im ambulanten Bereich aus der Finanzierung fällt. Stationäre Fälle und ambulante Notfälle 2024: Destatis, Nov./Dez. 2025.
Der Fahrplan
Beschlossen
10. Juli 2026
Bundestag (319 : 286) und Bundesrat verabschieden das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz.
In Kraft
30. Juli 2026
Gesetz tritt in Kraft. Die KBV rechnet mit 3 Mrd. € Minderhonorar für 2027.
Kürzungen greifen
1. Januar 2027
TSVG-Vergütung, ePA-Pauschale, Extrabudgetierung für Vorsorge und ambulante OPs entfallen. Höhere Zuzahlungen. Unsere Praxis stellt um.
Zweite Stufe
2028
Zweitmeinungspflicht vor planbaren OPs. Zusatzbeitrag für mitversicherte Partner. Kurzzeit-Fallpauschalen an der Klinik-Schnittstelle.
Dauerzustand
2030
Einsparvolumen im ambulanten Bereich steigt auf rund 5 Mrd. € pro Jahr. Die Budgetdeckelung bleibt.
Die Überleitung

Das müsste nicht sein.

Uns wäre es lieber anders. Die Politik sagt: Es gibt kein Geld. Die Zahlen sagen etwas anderes. Die niedergelassenen Praxen versorgen 97 % aller Patienten mit 20 % des Budgets – eigenfinanziert, ohne Staatsgeld, 8,6-mal effizienter als jedes Krankenhaus. Wer sparen muss, kürzt nicht bei der effizientesten Abteilung im Haus. Er baut sie aus.

Die folgenden Kapitel sind vor der Reform entstanden. Sie sind heute aktueller denn je – denn sie zeigen, warum genau diese Entscheidung falsch ist.

Die Zahlen, die die Politik ignoriert hat ↓
Worum es geht

Eine Geschichte in 9 Zahlen.

Die Ausgangslage, die die Reform ignoriert hat: Stell dir das Gesundheitssystem als Unternehmen vor. Eine Abteilung – die niedergelassenen Ärzte – erledigt 97 % der Arbeit für 20 % des Budgets und bezahlt ihre Ausstattung selbst. Eine andere erledigt einen kleinen Teil der Fälle für 24 % und bekommt zusätzlich Milliarden vom Staat.

Welche Abteilung würde ein vernünftiger Chef ausbauen? Und welche hat die Politik gerade per Gesetz gekürzt?

Kapitel 1 · Das Missverhältnis

Von 100 € gehen nur 20 € an die Praxen – die 97 % der Fälle versorgen.

Das Krankenhaus erhält 24 € von 100 €. Die niedergelassenen Praxen erhalten 20 € – und versorgen damit 97 % aller Behandlungsfälle. Aus diesen 20 € finanzieren sie noch Miete, Geräte und Personal selbst.

Das Grundprinzip: 20 € von 100 € – und trotzdem 97 % aller Fälle. Wer bei den Niedergelassenen spart, gefährdet den effizientesten Teil des Systems.
Kapitel 2 · Der falsche Trend

Und trotzdem: Es werden immer weniger Niedergelassene.

Die Zahl der Niedergelassenen sinkt seit 2019 um 8,3 %. Die Zahl der Krankenhausärzte wächst. Das System verschiebt Ressourcen vom effizienteren in den teureren Sektor.

Niedergelassene Ärzte
170.964
ambulant · Praxen, MVZ
BÄK 31.12.2024
↘ –8,3 % seit 2019
Krankenhausärzte
227.995
stationär · Kliniken, Reha
BÄK 31.12.2024
↗ +2,7 % in 2024
Verhältnis ambulant / stationär · BÄK 2024
Niedergelassen: 170.964 (43 %) Krankenhaus: 227.995 (57 %)
Die ambulante Basis wird strukturell ausgehöhlt – obwohl sie effizienter versorgt.
Kapitel 3 · Der Effizienz-Beweis

Wie effizient ist „effizient"? 8,6-mal.

Die Niedergelassenen behandeln 575 Mio. Fälle für 67 Mrd. € – eigenfinanziert. Das Krankenhaus: 124 Mio. Pflegetage für 127,5 Mrd. € – inklusive Staatssubventionen, die in keiner Kostenstatistik auftauchen.

Ambulant
575 Mio.
Behandlungsfälle/Jahr
8,6 Mio. Fälle je Mrd. €
Stationär
124 Mio.
Pflegetage/Jahr
1,0 Mio. Fälle je Mrd. €
Was kostet das System wirklich?
Praxen – eigenfinanziert67 Mrd. €
✓ Miete, Geräte, IT, Personal – aus Honorar. Kein Staatsgeld.
Krankenhaus – inkl. Subventionen127,5 Mrd. €
121 Mrd. € Betriebskosten + 6,51 Mrd. € Länder-Investitionen, die in keiner KH-Statistik auftauchen.
8,6×
effizienter
Eigenfinanziert – und trotzdem 8,6× mehr Fälle je Mrd. €. Das Krankenhaus bekommt Subventionen und ist trotzdem teurer pro Fall.
Fairerweise gesagt

Klinik und Praxis lassen sich nicht 1:1 vergleichen. Kliniken behandeln komplexe, schwere und akute Fälle, die Operationssäle, Intensivmedizin und 24/7-Bereitschaft brauchen – das ist unverzichtbar und kostet zu Recht mehr. Das Problem: In diesen teuren Strukturen werden auch sehr viele Fälle behandelt, die genauso gut und deutlich günstiger beim niedergelassenen Arzt aufgehoben wären. Nicht die Klinik ist zu teuer – die Fälle sind am falschen Ort.

Der blinde Fleck

Kliniken behandeln längst massenhaft ambulant – nur teurer.

Das Argument „Kliniken sind für die schweren Fälle da" stimmt – aber es verdeckt, was tatsächlich passiert: Krankenhäuser behandeln heute schon Millionen ambulanter Fälle. Nur eben in teuren stationären Strukturen, unpersönlich, ohne die Stärken der niedergelassenen Versorgung.

Ambulante Notfälle im KH
13,0 Mio.
2024 · Höchststand seit Erfassungsbeginn (Destatis)
Ambulante OPs im KH
~2 Mio.
pro Jahr · stagniert trotz Potenzial (Destatis)
Tägliche Notfall-Ambulanz
35.600
Menschen pro Tag in KH-Notaufnahmen (2024)
13 Millionen ambulante Notfälle allein in den Notaufnahmen – Tendenz steigend. Ein erheblicher Teil davon ließe sich ambulant beim Niedergelassenen versorgen, günstiger und persönlicher. Stattdessen läuft die Versorgung durch die teuerste denkbare Struktur: das Krankenhaus.
Warum das ein Problem ist – nicht nur beim Preis
💸Teure Strukturen für einfache Fälle: Ein ambulanter Fall in der Klinik läuft durch einen Apparat, der für Hochleistungsmedizin gebaut ist – Overhead, Bürokratie, Schichtbetrieb. Beim Niedergelassenen kostet derselbe Fall einen Bruchteil.
👤Unpersönlich & ohne Kontinuität: In der Klinikambulanz sieht man, wer gerade Dienst hat – mal diesen, mal jenen Arzt. Keine gewachsene Beziehung, keine Kenntnis der Vorgeschichte, kein vertrautes Gegenüber.
🧭Ohne Kenntnis der ambulanten Besonderheiten: Ambulante Versorgung ist eine eigene Kunst – Verlaufsbeobachtung über Jahre, Einordnung ins Lebensumfeld, das richtige Maß zwischen Abwarten und Handeln. Klinikstrukturen sind darauf nicht ausgelegt; sie denken in Fällen, nicht in Menschen.
🔁Mehr Folgeleistungen: Wer den Patienten nicht kennt, sichert sich ab – mehr Doppeluntersuchungen, mehr Bildgebung, mehr Überweisungen. Das treibt die Kosten weiter, ohne den Nutzen zu erhöhen.
Würde man die Niedergelassenen nicht budgetär gängeln, würden sie die nötigen Strukturen selbst aufbauen. Für die vielen einfachen ambulanten Notfälle entstünden günstige, wohnortnahe Kapazitäten – und ein großer Teil dieser Fälle käme gar nicht erst in die Klinik. Die Praxen würden genau dort investieren, wo Bedarf ist – als Unternehmer, aus eigenem Antrieb. Die Budgetdeckelung verhindert genau das.
Das heißt nicht, dass es keine starken Notaufnahmen braucht. Im Gegenteil: leistungsfähige, qualitativ hochwertige Kliniken mit guten Notaufnahmen sind unverzichtbar – für echte Notfälle und schwere Fälle. Nur eben nicht so viele und nicht für alles. Wenige, dafür exzellente Kliniken plus eine starke ambulante Basis – das ist die richtige Arbeitsteilung.
Die Pointe: Es geht nicht darum, ob ambulant behandelt wird – das tun Kliniken längst. Es geht darum, wo und wie. Dieselbe Leistung ist beim Niedergelassenen günstiger, persönlicher und kontinuierlicher. Sie ins Krankenhaus zu verlagern, ist der teuerste und schlechteste Weg.
Was die Niedergelassenen ausmacht

Mehr als nur „günstiger".

Effizienz ist nur die halbe Geschichte. Die niedergelassene Praxis hat Stärken, die eine zentralisierte Großeinrichtung nicht bieten kann – und die für Patienten täglich spürbar sind.

🏠
Inhabergeführt & verantwortlich
Die meisten Praxen sind inhabergeführt. Der Arzt haftet persönlich, trägt das unternehmerische Risiko und steht mit seinem Namen für die Qualität – kein anonymer Konzern, sondern ein Mensch mit Verantwortung.
🤝
Kennt seine Patienten
Kontinuität über Jahre: Der niedergelassene Arzt kennt Vorgeschichte, Familie und Lebensumstände. Das spart Doppeluntersuchungen, vermeidet Fehler und schafft Vertrauen – ein Wert, der in keiner Statistik steht.
📍
Lokal vernetzt
Praxen sind eng mit anderen Ärzten, Apotheken, Pflegediensten und Kliniken vor Ort vernetzt. Überweisungen laufen schnell, Wege sind kurz, man kennt sich. Diese gewachsene Struktur lässt sich nicht zentral verordnen.
📈
Unternehmer mit Verbesserungsdrang
Als Selbstständiger hat der niedergelassene Arzt ein direktes Interesse, Abläufe zu verbessern und in moderne Geräte zu investieren – aus eigenem Antrieb. Genau dieser Mechanismus geht verloren, wenn man ihn budgetiert.
Effizient, persönlich, regional verankert und aus eigenem Antrieb verbesserungswillig – diese Kombination kann kein Krankenhauskonzern ersetzen. Wer die Niedergelassenen schwächt, verliert all das auf einmal.
Kapitel 4 · Der unterschätzte Wirtschaftsfaktor

Mehr Beschäftigte als die Autoindustrie.

Die niedergelassene Versorgung ist nicht nur medizinisch zentral – sie ist ein wirtschaftliches Schwergewicht. Wer hier kürzt, trifft auch den Standort Deutschland.

Praxen in Deutschland
99.000
ambulante Arzt- & Psychotherapiepraxen
Bruttowertschöpfung
51,6 Mrd. €
jährlicher Beitrag zur Wirtschaft
Arbeitsplätze
~800.000
mehr als die Autoindustrie
Die Praxen beschäftigen mehr Menschen als die deutsche Autoindustrie. Sie sind Arbeitgeber, Ausbilder und Wirtschaftsfaktor in jeder Region – besonders dort, wo sonst wenig Infrastruktur ist. Eine Schwächung ist auch wirtschaftspolitisch ein Eigentor.
Kapitel 5 · Das Geld-Missverständnis

„Aber Ärzte verdienen doch gut!" – der häufigste Einwand. Und der irreführendste.

Oft wird der Reinertrag einer Praxis mit dem Einkommen des Arztes verwechselt. Das ist falsch. Der Reinertrag ist das Ergebnis der gesamten Praxis – nicht der Lohn des Arztes. Davon gehen noch Steuern, die komplette Altersvorsorge, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie das unternehmerische Risiko ab. Der Klinikarzt bekommt sein Gehalt – das Krankenhaus erhält zusätzlich 4,24 Mrd. € Steuergeld pro Jahr für Gebäude und Technik.

Niedergelassene Praxis
219.000 €
Median-Reinertrag je Praxis
Destatis 2023 · die Hälfte aller Praxen liegt darunter
Ø Einnahmen804.000 €
– Ø Aufwendungen493.000 €
= Ø Reinertrag310.000 €
⚠ Reinertrag ≠ Einkommen
Davon noch Steuern, Altersvorsorge & Versicherungen
Der Ø-Wert (310.000 €) wird durch wenige Hochertragspraxen nach oben verzerrt
Klinikarzt
97.273 €
Ø Jahresgehalt Facharzt
TV Ärzte 2024 · brutto
Assistenzarzt72.530 €
Facharzt97.273 €
Oberarzt111.961 €
Chefarzt197.400 €
✓ Festes Gehalt, abgesichert
✓ Arbeitgeber zahlt Sozial- & Altersvorsorge
✓ Kein unternehmerisches Risiko
Systemkosten je Arzt – im Verhältnis
Wichtig zur Einordnung: Der Reinertrag schwankt enorm – je nach Fachgebiet, Praxisgröße und Region. Viele Hausärzte und Einzelpraxen liegen deutlich unter dem Durchschnitt; eine Praxis kann zudem mehrere Inhaber haben, die sich den Betrag teilen. Die oft zitierten Spitzenwerte stammen aus wenigen technisierten Fachgruppen und sind nicht repräsentativ.
Die Frage ist nicht, wer mehr verdient – sondern wer was finanziert. Der Niedergelassene trägt das volle unternehmerische Risiko und zahlt alle Infrastruktur selbst. Das Krankenhaus bekommt sie vom Staat – und ist trotzdem teurer. Sinnvoll wäre es, das effizientere Modell zu fördern.
Kapitel 6 · Die Zwei-Klassen-Logik

Warum Privatpatienten schneller drankommen – und es nicht die Schuld der Ärzte ist.

GKV-Honorare sind gedeckelt, PKV-Honorare nicht. Ein Privatpatient bringt 3–4× mehr für dieselbe Leistung. Der Arzt, der seine Praxis am Leben halten will, handelt rational – und subventioniert mit den PKV-Einnahmen die GKV-Versorgung mit.

GKV – gedeckelt
Regelleistungsvolumen
Fixes Quartalsbudget. Mehrarbeit wird kaum bezahlt.
~20 % unbezahlt
Fast jede 5. GKV-Leistung wird nicht vergütet.
PKV – ohne Deckelung
Einzelleistung
Jede Leistung wird vergütet. Mehr Arbeit = mehr Honorar.
Kein Regressrisiko
Direktabrechnung, schnelle und verlässliche Zahlung.
PKV-Anteil Bevölkerung
~8,7 %
nur ca. 9 von 84 Mio. Einwohnern
Anteil an Arzthonoraren
~20 %
überproportional zur Kopfzahl · ~12 Mrd. € Mehrumsatz (WIP-PKV)
Wartezeit Facharzt
42 vs. 12
Tage GKV vs. PKV · RWI Leibniz
Wenige Köpfe, überproportionaler Beitrag: PKV-Versicherte sind nur rund 8,7 % der Bevölkerung – tragen aber einen weit überproportionalen Anteil der ambulanten Arzthonorare. Ein PKV-Patient bringt 3–4× mehr für dieselbe Leistung. Keine Praxis kann nur GKV-Patienten behandeln und ihre Fixkosten von 493.000 €/Jahr decken. Diese Mehreinnahmen quersubventionieren die GKV-Versorgung – ohne sie fehlten dem System rund 12 Mrd. € pro Jahr. Das ist Systemlogik, nicht Arztwillkür.
Kapitel 7 · Was jetzt wegfällt – beschlossen

Das Terminservicegesetz machte GKV-Patienten so schnell wie Privatpatienten – ab 2027 ist es weg.

Der eigentliche Erfolg des TSVG: Über die sinnvolle Vermittlung durch den Hausarzt bekamen gesetzlich Versicherte einen dringlichen Facharzttermin ähnlich schnell wie ein Privatpatient. Möglich war das durch zwei Anreize – Vergütungszuschläge für den Aufwand und Extrabudgetierung: vermittelte Fälle zählten nicht ins gedeckelte Regelbudget. Beides streicht das GKV-Spargesetz – beschlossen am 10. Juli 2026.

Was das Spargesetz (Warken) bei Praxen streicht
Absenkung des Orientierungswerts – effektive Honorarkürzung je Fall
Streichung der TSS-Zuschläge – Wegfall extrabudgetärer Vergütung
Kürzung der Bereitschaftsdienstvergütung
Kein Praxiszukunftsgesetz – kein Investitionsprogramm für Praxen
Was das TSVG gebracht hat
Dringliche Fälle wurden mit Hausärzten vorgezogen – das hat funktioniert
Zuschläge deckten den Koordinationsaufwand teilweise
Extrabudgetierung: diese Fälle zählten nicht ins Regelbudget – echter finanzieller Vorteil
Was jetzt wegfällt
Terminservicestellen werden abgeschafft
Zuschläge entfallen
Extrabudgetierung entfällt – Fälle fallen zurück ins gedeckelte Budget
Doppelter Verlust: Die Abschaffung entzieht den Praxen Zuschläge und Extrabudgetierung gleichzeitig. Mehr Aufwand, weniger Vergütung, kleineres effektives Budget – und die Grundursache, die Deckelung, bleibt unangetastet.
Der Bumerang-Effekt – hier kippt die ganze Rechnung: Die schnelle Terminvermittlung über den Hausarzt war organisatorisch aufwändig. Wird dieser Aufwand künftig weder bei Haus- noch bei Fachärzten honoriert, lässt er sich nicht unverändert fortführen – das ist absehbar. Die Folge: Patienten, die keinen zeitnahen Termin mehr bekommen, landen wieder in den teuren Notaufnahmen der Kliniken. Genau dort, wo jeder Fall ein Vielfaches kostet. Die vermeintliche Einsparung durch die TSS-Streichung ist damit dahin – am Ende wird es teurer, nicht günstiger.
Kapitel 8 · Die Quittung

Die Rechnung kommt: 42 Tage Wartezeit, 5.000 fehlende Hausärzte.

GKV Facharzt 2024
42 Tage
2019: 33 Tage (+27 %) · BMG
PKV Facharzt
12 Tage
RWI Leibniz
GKV Hausarzt
3 Tage
25 % warten länger
25 % der GKV-Versicherten warten über 30 Tage, 10 % über 3 Monate. Das ist die direkte Folge der Budgetlogik – keine Frage des guten Willens.
Ärztemangel & Prognose bis 2040
Versorgungsrelation sinkt bis 2040 von 101 % auf 87 %. Um 25.000 Vollzeitärzte zu ersetzen, braucht es 50.000 Nachfolger. Nur 13 % der Absolventen wählen den Hausarztweg.
Kapitel 9 · Der Blick ins Ausland

Macht das überhaupt jemand anders? Ja – fast alle.

Deutschland hat 55 % mehr stationäre Einweisungen als der EU-Schnitt. Das ist kein Zeichen besserer Versorgung, sondern eines Systems, das zu viel in den teuersten Sektor lenkt.

Auch hier gilt: kein 1:1-Vergleich. Länder unterscheiden sich in Demografie, Krankheitslast und Statistik-Methodik. Aber der Abstand ist zu groß, um ihn allein damit zu erklären – und die Länder mit den wenigsten stationären Fällen haben oft die stärksten ambulanten Strukturen.
Stationäre Entlassungen je 100.000 Einwohner · Eurostat 2023
Kapitel 10 · Die Lösung

Die gute Nachricht: Die Lösung existiert schon.

Zwischen 3 und 8,6 Millionen stationäre Fälle pro Jahr könnten ambulant behandelt werden – mit vorhandener Kapazität, weniger als einem Zusatzfall pro Arzt und Tag. Voraussetzung: faire Vergütung statt Budgetdeckelung.

5,5
Mrd. € Netto

Mehrbelastung je Arzt bei 3 Mio. Fällen – weniger als 1 Zusatzfall pro Tag
Fachgruppe+Fälle/J./Tag+%
Die Kapazität ist da. Das Problem ist die fehlende Vergütung. Ohne Budgetdeckelung würden die Niedergelassenen dieses Potenzial von selbst heben.
Kapitel 11 · Das Paradoxon

Was macht die Politik? Das exakte Gegenteil.

Die logische Konsequenz wäre: die Niedergelassenen stärken. Stattdessen erlaubt KHVVG + KHAG den Kliniken, ambulante Leistungen zu übernehmen – finanziert mit einem 50-Mrd.-€-Transformationsfonds, den nur Krankenhäuser bekommen.

„Bei KH-Ambulanzen ist durchgehend eine Besserstellung gegenüber den niedergelassenen Vertragsärzten festzustellen – weder nachvollziehbar noch hinnehmbar."

KBV an den Bundesrat · November 2024

🏥
Kliniken dürfen ambulant behandeln hoch
Ermächtigung ohne Kassensitz-Pflicht, gestützt durch den 50-Mrd.-Fonds.
💰
50 Mrd. € nur für Kliniken mittel
2026–2035. Kein vergleichbares Programm für die Niedergelassenen.
⚖️
Strukturelle Besserstellung der Kliniken hoch
Gleiche Leistung, ungleiche Bedingungen: Praxen eigenfinanziert, KH-Ambulanzen öffentlich gefördert.
⚙️
Hybrid-DRG bevorzugt KH-Systematik mittel
Vergütung basiert auf KH-Kosten. Praxen bleiben im Regelbudget.
Kapitel 12 · Die eigentliche Ursache

Warum wird es ausgerechnet den Effizientesten so schwer gemacht?

Wenn die Niedergelassenen so effizient sind – warum verlieren sie dann politisch? Die Antwort hat nichts mit Medizin zu tun, sondern mit Durchsetzungskraft. Und hier kehrt sich die größte Stärke der Praxen in ihre größte Schwäche.

Krankenhäuser & Kassen
🏛️Große, zentrale Organisationen mit eigenen Lobby-Abteilungen, Verbänden und PR-Apparaten.
📣Hauptberufliche Interessenvertretung in Berlin – ganze Stäbe, deren einziger Job es ist, Einfluss zu nehmen.
🏢„Wasserköpfe": Verwaltungsapparate, die selbst keinen Patienten behandeln – aber laut und wirkmächtig auftreten.
Die Niedergelassenen
🩺Viele kleine Einzelunternehmer, voll konzentriert auf ihre eigentliche Arbeit: die Patienten.
⏱️Keine Zeit für Lobbyarbeit – wer den ganzen Tag behandelt, sitzt nicht in Berliner Hinterzimmern.
🧩Zersplittert statt gebündelt – tausende Stimmen, die einzeln kaum Gewicht haben.
Die Stärke wird zur Schwäche: Dass die Niedergelassenen schlanke, fokussierte Einzelunternehmer ohne teuren Verwaltungsüberbau sind, macht sie effizient – und politisch leise. Die Gegenseite hat zwar „Wasserköpfe", die keinen medizinischen Mehrwert bringen, aber genau diese Apparate vertreten ihre Interessen mit voller Kraft.
Und die KV? Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen die Niedergelassenen vertreten – können diese strukturelle Asymmetrie aber nicht ausgleichen. Sie sind gesetzlich gebunden, müssen Kompromisse mit den Kassen schließen und treten selten mit der Wucht auf, die eine geschlossene Klinik- und Kassenlobby entfaltet. Das effizienteste Modell hat die schwächste Stimme.
Ein nachvollziehbarer Reflex – aber eine Illusion. Aus Sicht der Politik ist es verständlich, Strukturen zu fördern, die man steuern kann: Wenige große Kliniken lassen sich leichter kontrollieren als 100.000 einzelne Arztpraxen. Doch das ist eine Kontrollillusion. Schon der aktuelle Stand beweist das Gegenteil – trotz zentraler Steuerbarkeit sind die Kliniken der teurere, ineffizientere und chronisch defizitäre Teil des Systems. Die vielen kleinen, eigenverantwortlichen Praxen liefern ohne zentrale Steuerung die bessere Versorgung zum kleineren Preis. Steuerbarkeit ist nicht dasselbe wie gute Steuerung.
Der häufigste Gegeneinwand – und die Antwort

„Aber es war doch noch nie so viel Geld im System!"

Stimmt – und genau das ist der Punkt. Die Krankenkassen argumentieren, die ambulante Versorgung sei so gut finanziert wie nie. Absolut gesehen fließt tatsächlich mehr Geld.

Aber: Die Ausgaben steigen vor allem dort, wo teure stationäre Strukturen wachsen – nicht bei den effizienten Niedergelassenen. Pro Behandlungsfall, inflations- und tarifbereinigt, ist deren Vergütung real gesunken. Mehr Gesamtgeld bei sinkendem Pro-Fall-Honorar bedeutet: Das Geld fließt ins falsche System.

Nicht „zu viel Geld", sondern falsch verteiltes Geld ist das Problem.

Fairerweise gesagt · Der Blick aufs Krankenhaus

Auch bei den Kliniken wird gespart – und das trifft viele hart.

Diese Seite macht den Fall für die Niedergelassenen. Aber es wäre unredlich, die andere Seite zu verschweigen: Auch die Krankenhäuser stehen massiv unter Druck. Eine ehrliche Debatte muss das anerkennen.

Was bei den Kliniken geplant ist
🏥Krankenhausreform (KHVVG): Die Zahl der Standorte soll sinken, Leistungen werden gebündelt. Kliniken erhalten Geld künftig stärker für Vorhaltung statt pro Fall – wer bestimmte Qualitäts- und Mengenvorgaben nicht erfüllt, verliert Leistungsgruppen.
📉Konzentration & Spezialisierung: Komplexe Eingriffe sollen sich auf weniger, dafür spezialisierte Häuser konzentrieren. Kleine Standorte werden zu ambulant-stationären Zentren umgewandelt oder geschlossen.
💶Wirtschaftlicher Druck: Schon heute schreibt ein Großteil der Häuser rote Zahlen. Die Reform beschleunigt eine Marktbereinigung, die viele Träger an den Rand der Existenz bringt.
Dass jede Region für ihr Krankenhaus kämpft, ist absolut verständlich. Ein Klinikstandort bedeutet Arbeitsplätze, Sicherheit und ein Stück Identität. Wer um sein Haus bangt, handelt nachvollziehbar – das verdient Respekt, kein Achselzucken.
Aber: Das Krankenhaus ist der größte einzelne Kostentreiber im System. Über ein Viertel aller GKV-Ausgaben fließt stationär, dazu Milliarden an Länder-Investitionen. Deutschland hat im EU-Vergleich auffällig viele Klinikbetten und stationäre Fälle. Eine Debatte, die nur emotional um jeden einzelnen Standort geführt wird, verliert das Ganze aus dem Blick.
Was es braucht, ist kein Kahlschlag – sondern ein geordneter Umbau. Nicht „Klinik gegen Praxis", sondern eine rational geführte Strukturreform: Leistungen dorthin verlagern, wo sie am besten und günstigsten erbracht werden. Starke, spezialisierte Kliniken für das, was wirklich stationär gehört – und eine gestärkte ambulante Versorgung für alles andere. Der Umbau sollte hin zu den effizienten Strukturen gehen, die längst existieren – planvoll, mit Übergangsfristen und Verlässlichkeit, nicht im Blindflug.
Der Satz, den jeder kennen sollte

„Die Niedergelassenen versorgen 97 % aller Fälle mit 20 % des Budgets – ohne Staatsgeld. Das Krankenhaus braucht 24 % plus Milliarden Subventionen – für einen Bruchteil. Und gespart wird bei den Niedergelassenen – seit dem 10. Juli 2026 per Gesetz."

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