Die niedergelassenen Ärzte
versorgen 97 % aller Patienten.
Und genau hier wird jetzt gekürzt.
Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind das Rückgrat unserer Versorgung. Mit nur 20 von 100 Euro versorgen sie fast alle Patienten in Deutschland – eigenfinanziert, ohne einen Cent Staatsgeld, effizienter als jedes Krankenhaus. Seit dem 30. Juli 2026 ist es Gesetz: Ausgerechnet hier wird gekürzt. Was das für Sie als Patient bedeutet – und warum es nicht sein müsste – zeigt diese Seite.
Ab Januar 2027 wird Ihre Behandlung nach Kassenlage bezahlt. Nicht nach Bedarf. Das zwingt uns zu Schritten, die wir nicht wollen.
Wir schreiben das hier offen hin, weil Sie als Patientin oder Patient ein Recht darauf haben, es vorher zu wissen. Und weil ein Punkt in der öffentlichen Debatte fast immer fehlt:
Das Gesetz spart dort, wo 97 % aller Patienten versorgt werden: in den Praxen. Allein 2027 fehlen im ambulanten Bereich rund 3 Milliarden Euro, ab 2030 etwa 5 Milliarden – jedes Jahr. Nach Berechnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung werden damit 46 Millionen Behandlungsfälle zusätzlich nicht mehr bezahlt. Diese Fälle verschwinden nicht. Es sind Sie, Ihre Eltern, Ihre Kinder.
Was wir tun müssen – was das Gesetz dafür streicht – und was das für Sie heißt.
Das müsste nicht sein.
Uns wäre es lieber anders. Die Politik sagt: Es gibt kein Geld. Die Zahlen sagen etwas anderes. Die niedergelassenen Praxen versorgen 97 % aller Patienten mit 20 % des Budgets – eigenfinanziert, ohne Staatsgeld, 8,6-mal effizienter als jedes Krankenhaus. Wer sparen muss, kürzt nicht bei der effizientesten Abteilung im Haus. Er baut sie aus.
Die folgenden Kapitel sind vor der Reform entstanden. Sie sind heute aktueller denn je – denn sie zeigen, warum genau diese Entscheidung falsch ist.
Eine Geschichte in 9 Zahlen.
Die Ausgangslage, die die Reform ignoriert hat: Stell dir das Gesundheitssystem als Unternehmen vor. Eine Abteilung – die niedergelassenen Ärzte – erledigt 97 % der Arbeit für 20 % des Budgets und bezahlt ihre Ausstattung selbst. Eine andere erledigt einen kleinen Teil der Fälle für 24 % und bekommt zusätzlich Milliarden vom Staat.
Welche Abteilung würde ein vernünftiger Chef ausbauen? Und welche hat die Politik gerade per Gesetz gekürzt?
Von 100 € gehen nur 20 € an die Praxen – die 97 % der Fälle versorgen.
Das Krankenhaus erhält 24 € von 100 €. Die niedergelassenen Praxen erhalten 20 € – und versorgen damit 97 % aller Behandlungsfälle. Aus diesen 20 € finanzieren sie noch Miete, Geräte und Personal selbst.
Und trotzdem: Es werden immer weniger Niedergelassene.
Die Zahl der Niedergelassenen sinkt seit 2019 um 8,3 %. Die Zahl der Krankenhausärzte wächst. Das System verschiebt Ressourcen vom effizienteren in den teureren Sektor.
Wie effizient ist „effizient"? 8,6-mal.
Die Niedergelassenen behandeln 575 Mio. Fälle für 67 Mrd. € – eigenfinanziert. Das Krankenhaus: 124 Mio. Pflegetage für 127,5 Mrd. € – inklusive Staatssubventionen, die in keiner Kostenstatistik auftauchen.
Klinik und Praxis lassen sich nicht 1:1 vergleichen. Kliniken behandeln komplexe, schwere und akute Fälle, die Operationssäle, Intensivmedizin und 24/7-Bereitschaft brauchen – das ist unverzichtbar und kostet zu Recht mehr. Das Problem: In diesen teuren Strukturen werden auch sehr viele Fälle behandelt, die genauso gut und deutlich günstiger beim niedergelassenen Arzt aufgehoben wären. Nicht die Klinik ist zu teuer – die Fälle sind am falschen Ort.
Kliniken behandeln längst massenhaft ambulant – nur teurer.
Das Argument „Kliniken sind für die schweren Fälle da" stimmt – aber es verdeckt, was tatsächlich passiert: Krankenhäuser behandeln heute schon Millionen ambulanter Fälle. Nur eben in teuren stationären Strukturen, unpersönlich, ohne die Stärken der niedergelassenen Versorgung.
Mehr als nur „günstiger".
Effizienz ist nur die halbe Geschichte. Die niedergelassene Praxis hat Stärken, die eine zentralisierte Großeinrichtung nicht bieten kann – und die für Patienten täglich spürbar sind.
Mehr Beschäftigte als die Autoindustrie.
Die niedergelassene Versorgung ist nicht nur medizinisch zentral – sie ist ein wirtschaftliches Schwergewicht. Wer hier kürzt, trifft auch den Standort Deutschland.
„Aber Ärzte verdienen doch gut!" – der häufigste Einwand. Und der irreführendste.
Oft wird der Reinertrag einer Praxis mit dem Einkommen des Arztes verwechselt. Das ist falsch. Der Reinertrag ist das Ergebnis der gesamten Praxis – nicht der Lohn des Arztes. Davon gehen noch Steuern, die komplette Altersvorsorge, Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie das unternehmerische Risiko ab. Der Klinikarzt bekommt sein Gehalt – das Krankenhaus erhält zusätzlich 4,24 Mrd. € Steuergeld pro Jahr für Gebäude und Technik.
Davon noch Steuern, Altersvorsorge & Versicherungen
Der Ø-Wert (310.000 €) wird durch wenige Hochertragspraxen nach oben verzerrt
✓ Arbeitgeber zahlt Sozial- & Altersvorsorge
✓ Kein unternehmerisches Risiko
Warum Privatpatienten schneller drankommen – und es nicht die Schuld der Ärzte ist.
GKV-Honorare sind gedeckelt, PKV-Honorare nicht. Ein Privatpatient bringt 3–4× mehr für dieselbe Leistung. Der Arzt, der seine Praxis am Leben halten will, handelt rational – und subventioniert mit den PKV-Einnahmen die GKV-Versorgung mit.
Fixes Quartalsbudget. Mehrarbeit wird kaum bezahlt.
Fast jede 5. GKV-Leistung wird nicht vergütet.
Jede Leistung wird vergütet. Mehr Arbeit = mehr Honorar.
Direktabrechnung, schnelle und verlässliche Zahlung.
Das Terminservicegesetz machte GKV-Patienten so schnell wie Privatpatienten – ab 2027 ist es weg.
Der eigentliche Erfolg des TSVG: Über die sinnvolle Vermittlung durch den Hausarzt bekamen gesetzlich Versicherte einen dringlichen Facharzttermin ähnlich schnell wie ein Privatpatient. Möglich war das durch zwei Anreize – Vergütungszuschläge für den Aufwand und Extrabudgetierung: vermittelte Fälle zählten nicht ins gedeckelte Regelbudget. Beides streicht das GKV-Spargesetz – beschlossen am 10. Juli 2026.
Die Rechnung kommt: 42 Tage Wartezeit, 5.000 fehlende Hausärzte.
Macht das überhaupt jemand anders? Ja – fast alle.
Deutschland hat 55 % mehr stationäre Einweisungen als der EU-Schnitt. Das ist kein Zeichen besserer Versorgung, sondern eines Systems, das zu viel in den teuersten Sektor lenkt.
Die gute Nachricht: Die Lösung existiert schon.
Zwischen 3 und 8,6 Millionen stationäre Fälle pro Jahr könnten ambulant behandelt werden – mit vorhandener Kapazität, weniger als einem Zusatzfall pro Arzt und Tag. Voraussetzung: faire Vergütung statt Budgetdeckelung.
Was macht die Politik? Das exakte Gegenteil.
Die logische Konsequenz wäre: die Niedergelassenen stärken. Stattdessen erlaubt KHVVG + KHAG den Kliniken, ambulante Leistungen zu übernehmen – finanziert mit einem 50-Mrd.-€-Transformationsfonds, den nur Krankenhäuser bekommen.
„Bei KH-Ambulanzen ist durchgehend eine Besserstellung gegenüber den niedergelassenen Vertragsärzten festzustellen – weder nachvollziehbar noch hinnehmbar."
KBV an den Bundesrat · November 2024
Warum wird es ausgerechnet den Effizientesten so schwer gemacht?
Wenn die Niedergelassenen so effizient sind – warum verlieren sie dann politisch? Die Antwort hat nichts mit Medizin zu tun, sondern mit Durchsetzungskraft. Und hier kehrt sich die größte Stärke der Praxen in ihre größte Schwäche.
„Aber es war doch noch nie so viel Geld im System!"
Stimmt – und genau das ist der Punkt. Die Krankenkassen argumentieren, die ambulante Versorgung sei so gut finanziert wie nie. Absolut gesehen fließt tatsächlich mehr Geld.
Aber: Die Ausgaben steigen vor allem dort, wo teure stationäre Strukturen wachsen – nicht bei den effizienten Niedergelassenen. Pro Behandlungsfall, inflations- und tarifbereinigt, ist deren Vergütung real gesunken. Mehr Gesamtgeld bei sinkendem Pro-Fall-Honorar bedeutet: Das Geld fließt ins falsche System.
Nicht „zu viel Geld", sondern falsch verteiltes Geld ist das Problem.
Auch bei den Kliniken wird gespart – und das trifft viele hart.
Diese Seite macht den Fall für die Niedergelassenen. Aber es wäre unredlich, die andere Seite zu verschweigen: Auch die Krankenhäuser stehen massiv unter Druck. Eine ehrliche Debatte muss das anerkennen.
„Die Niedergelassenen versorgen 97 % aller Fälle mit 20 % des Budgets – ohne Staatsgeld. Das Krankenhaus braucht 24 % plus Milliarden Subventionen – für einen Bruchteil. Und gespart wird bei den Niedergelassenen – seit dem 10. Juli 2026 per Gesetz."
Screenshot machen. Teilen. Weitererzählen.
Fakten ändern Debatten –
wenn genug Menschen sie kennen.
Diese Seite ist frei verwendbar. Jeder geteilte Link, jeder Screenshot, jedes Gespräch zählt. Wenn Ärztinnen und Ärzte, ihre Teams und ihre Patienten diese Zahlen kennen, lässt sich die Debatte nicht mehr ignorieren.
Die Kurz-Info (eine Seite, druckfertig) eignet sich zum Aushängen im Wartezimmer, Auslegen und Weitergeben.